Zu Besuch im Beemster Weltkulturerbe I

Molens langs vaartZu Besuch im Beemster Weltkulturerbe Neue Möglichkeiten
Die Prinzen folgten einer Einladung der Herren, die den gewagten Plan verwirklicht hatten. Eine Gruppe Amsterdamer Kaufleute und Haager Vorstandsmitglieder   erhielten 1607 die Genehmigung, den grössten See von Nordholland trocken zu legen.
Durch Setzen des ursprünglichen  Moores, durch Sturmfluten und Abkalbung waren im Norden von Amsterdam grosse Seen entstanden. Die steigende Wasserbelästigung bedrohten die Städte. Gleichzeitig war durch die wachsende Stadtbevölkerung ein grösserer Bedarf an landschaftlicher Anbaufläche für die Ernährungswirtschaft entstanden. Die durch Handel reich gewordenen Kaufleute suchten neue Investitionsmöglichkeiten und schmiedeten Pläne, Seen trocken zu legen. Neue technische Entwicklungen liessen diese Pläne Wirklichkeit werden. Die Deichbauer haben die technische Ausführung des Projekts dem Mühlenbauer Jan Adriaansz aus De Rïjp angetragen.  Seine Erfolge gaben ihm später den Ehrennamen “Leeghwater”( Leerwasser).
Zuerst wurde der Ringdeich angelegt. Danach wurde das Wasser des Beemster Sees mit Hilfe von 26 Windwassermühlen trocken gemahlen. Ein starker  Sturm im Januar 1610 liess den trockenen Polder beinahe wieder volllaufen, sodass wieder von vorn begonnen werden musste. Dieses Mal mit 40 Mühlen. Im Sommer 1612 war es soweit: der See war trocken!

Schönheitsideal
de ideale stad van Simon StevinDie Deichbauer sahen in der Gewinnung des Neulands ihre grosse Chance und ergriffen sie mit beiden Händen. Die aus Italien stammenden renaissanceistischen Auffassungen einer idealen Einteilung waren vor nicht all zu langer Zeit von Simon Stevin in seinem Buch “Die ideale Stadt” beschrieben worden. Die Form des Quadrates wurde darin als höchstes Schönheitsideal  beschrieben. Bei der Einteilung des neu gewonnenen Landes wählte man dann auch ein Gitterwerk von Quadranten, getrennt durch Gräben und Wege.
Diese besondere Parzellierung ist bis heute bewahrt geblieben; einer der Gründe, dass die Beemster 1999 auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbgutes gesetzt wurde. Dies wiederum war eine ungewöhnliche Situation: innerhalb der Beemster gehörten die Stellungen Amsterdam schon zum Weltkulturerbe.